Schon beim Einparken auf dem Parkplatz liegt Motorsport-Euphorie in der Luft. Wer hat, der hat. Und so wird hier gern gezeigt, welch sportliches Gefährt man sein eigen nennt. So parkt da ein knallroter Porsche GT3 neben einem klassisch-roten Ferrari 458. Gepimpte Unikate aller Marken scheinen heute Ausgang zu haben. Da können wir nicht mit halten, verbergen das Gesicht beschämt hinter einer Sonnenbrille. Die schwarze GTI Mütze tief ins Gesicht gezogen, denn unser Kleinwagen, der uns zum Tourenwagenrennen (TCR) nach Hockenheim bringt, will nicht so recht ins Bild auf diesen Parkplatz passen. Wahre Motorsportfans fahren mit so was nicht vor.

Volkswagen, Hyundai, Honda und Porsche unterstützen die Teams mit ihrer Anwesenheit. Die ADAC TCR Germany Serie soll Nachwuchstalenten und motorsport-begeisterten Privat-Fahrern eine Plattform bieten. Hier starten seriennahe, vergleichsweise preisgünstige Tourenwagen mit Frontantrieb und Zwei-Liter-Turbomotoren, die runde 330 PS leisten. An jedem Rennwochenende werden zwei Sprintrennen über eine Distanz von jeweils 30 Minuten ausgetragen. Die ADAC TCR Germany will mit Markenvielfalt und Tourenwagensport in Reinform begeistern.

Ganz so viele Zuschauer wie bei einem Formel 1 ziehen die TCR Rennwagen zwar nicht nach Hockenheim, hier wird nicht die ganz große Show geboten, hier gibt es ehrlichen Rennsport. „Beim TCR sind noch echte Racer am Werk, hier wird echter Motorsport geboten, da gibts auch mal auf die Knochen“, erklärt PR Mann Andreas Lübeck, weshalb sich der koreanische Autobauer Hyundai in dieser bezahlbaren Rennserie engagiert.  Das Erfolgsgeheimnis sei das auf ein Kostenlimit ausgelegte, eng gehaltene Regelwerk der TCR (Touring Car Racing) mit zwei Eckpfeilern: „Balance of Performance“, was so viel wie Chancengleichheit bedeutet und dem „Technik-Freeze“, der eine technische Weiterentwicklung der Fahrzeuge während einer laufenden Saison unterbindet. Die Tourenwagenserie des zweitgrößten Automobilclubs der Welt will damit die Lücke zwischen Formelsport und Rallye schließen und startet im Veranstaltungspaket mit dem ADAC GT Masters und der ADAC Formel 4. Die 2015 ins Leben gerufene TCR-Serie umfasst national und international ausgetragene Wettbewerbe mit seriennahen Tourenwagen.

Am Wochenende ist auf dem Hockenreimring das Finale angesagt. In der Volkswagen Lounge starrt das männer-dominierte Publikum auf den Bildschirm. Fehlzündungen und Motorengeheul sind von der Rennstrecke auch hier zu hören. Wenn gerade keine heißen Fahrzeuge über den Asphalt des Hockenheimrings jagen, schauen die Motosportfans hier die Live-Übertragung der DTM-Rennen. Andere scharen sich um die Fahrer, die hier ohne jegliche Allüren an ihren Fahrzeugen arbeiten.  Mit dem Golf GTI aus unserer Jugendzeit haben die TCR GTIs nicht mehr viel zu tun. Aber die Serienmodelle des aktuellen Golf GTI sind nahe Verwandte der TCR-Rennversion. Das 2,0 Liter Turbo-Kraftpakets von VW leistet beachtliche 350 PS. Wer würde damit nicht gern mal selbst eine Runde auf dem Hockenheim Ring drehen? Aber die 41 Fahrer können das bestimmt besser.

Vor dem VW Zelt ist ein Fototermin für Fahrer und Team angesagt. Siegerfoto? Leider nicht. Am Ende reicht es nur für die Top Ten. Benjamin Leuchter (D) und Niko Kankkunen (FIN) feiern in der TCR Germany die besten Resultate „powered by Volkswagen“. Leuchter erreicht beim Saisonfinale der nationalen TCR-Serie mit dem Golf GTI TCR im ersten Rennen Rang fünf, Kankkunen im zweiten Durchgang Rang sechs. Beim Saisonabschluss fällt die Meisterschaftsentscheidung allerdings zugunsten von Harald Proczyk (A, Opel). Luca Engstler (D, Hyundai), der den Anfang der Saison noch auf dem Golf GTI TCR bestritten hatte, wird Vizemeister.