Seit Kurzem rollt der erste Mercedes-Kompakt-SUV mit Front- und Allradantrieb  aus dem Werk in Rastatt zu Händlern und Kunden. Mit dem GLA will Mercedes Audi beim Q3 und BMW beim X1 Kunden abspenstig machen. Kompakt-SUVs sind derzeit bei den Autokäufern besonders beliebt, hohe Zuwächse der verkauften Stückzahlen zeugen davon. So kommt Mercedes nun spät mit dem GLA, aber wohl längst nicht zu spät.

Der Mercedes GLA basiert auf der Frontantriebs-Plattform der Stuttgarter und greift auf die Technik der aktuellen A-Klasse zurück. Das bringt  deutliche Kostenvorteile. Trotzdem ist der Neuling nicht wirklich günstig, die Preise für die kleinste Motorisierung beginnen bei knapp 30.000 Euro und lassen sich mit verführerischen Extras aus der langen Optionsliste und stärkeren Motoren locker Richtung 50.000 Euro treiben. Dafür bekommt man ein Auto, das nicht nur leichtfüßig Alltagsaufgaben bewältigt, sondern auch robust genug ist, um auch mal auf kleinen Abwegen die Abenteuerlust zu stillen.

gla front

Die erhöhte Bodenfreiheit des GLA und ein Offroad-Fahrprogramm, das die Allradmodelle serienmäßig an Bord haben, machen den GLA für Terrain abseits befestigter Wege bereit. Auch wenn die meisten Käufer des GLA Ausflüge dieser Art kaum unternehmen werden und meist auf asphaltierten Straßen unterwegs sein dürften. Und dafür eignen sich dann ja auch die günstigeren Modelle mit 2-Rad-Antrieb.

Optionaler  Allradantrieb

Für meine erste Testfahrt habe ich das das Basismodell, den GLA 200 CDI mit 136 Diesel-PS, Frontantrieb und manuellem Sechsgang-Getriebe gewählt. Äußerlich ähnelt der GLA mit seinem niedrigen Dach eher einer etwas höher gesetzten Limousine als einem SUV. Ich hatte eine etwas höhere Erscheinung erwartet. Dagegen lassen die geglätteten, großflächigen Bleche an den Fahrzeugseiten, die großen Radausschnitte und die schmalen Seitenfenster den GLA durchaus kraftvoll erscheinen. Beim Einstieg muss man dafür kaum die SUV-typische Höhe überwinden. Die Sitzposition gewährt noch immer einen besseren Überblick als bei Limousinen, fällt aber deutlich niedriger aus als bei anderen SUVs.

gla innen

Innen ganz A-Klasse

Das serienmäßige Multifunktionslenkrad mit seinem angenehm dicken Lederkranz liegt prima in der Hand. Die aus der neuen A-Klasse bekannten Sitze sind ausreichend dimensioniert, bequem und bieten selbst bei höherem Kurventempo den richtigen Seitenhalt. Auf Wunsch und gegen Mehrpreis lässt sich auch eine Sport-Sitzanlage mit integrierten Kopfstützen einbauen. Ich würde jedoch die Basis-Variante mit den höheneinstellbaren Kopfstützen empfehlen, denn sie ist mit einer komplett umlegbaren Beifahrerlehne bestellbar. So passen sogar lange Gegenstände in den kompakten GLA.

gla heck

Während vorn ein gutes Raumgefühl herrscht, geht es in der zweiten Reihe etwas enger zu. Der Platz für die Fondpassagiere wird durch das nach hinten schmaler werdende Heck/Dach eingeschränkt. Doch wirklich eingeengt fühlt man sich nicht. Die Rücksitzlehnen lassen sich (optional) nicht nur zur Vergrößerung des Gepäckraums umlegen, sondern auch in eine so genannte „Cargo-Stellung“ bringen. Damit stehen sie etwas steiler und das Gepäckabteil wächst um 60 Liter. Eine clevere Lösung, denn so lassen sich trotz des vergrößerten Kofferraums alle Rücksitze weiter nutzen.

GLA 200 CDI – Sparsam und dynamisch

Mein nächster Testwagen ist der Basis-Diesel im GLA 200 CDI, der wie der der Einstiegsbenziner 136 PS leistet. Er holt seine Power aus einem relativ großvolumigen 2,2-Liter-Vier-Zylinder. Mercedes gibt ihn mit einen Normverbrauch von 4,3 Liter auf 100 Kilometer an. Er lässt sich leicht im Drehzahlbereich unter 2.000 Touren schaltfaulen und doch zügig bewegen. Der Motor ist dabei zwar als Diesel erkennbar, aber nie aufdringlich. Erst jenseits der 4.000 Touren wird der Diesel lauter. Das Sechsgang-Schaltgetriebe lässt sich spielend leicht schalten und die Gänge flutschen geschmeidig durch die Gassen.

Für einen ersten Ausritt ins Gelände habe ich dann doch das Allradmodell GLA 220 CDI 4Matic bevorzugt. Er leistet 125 kW (170 PS) und macht deutlich, dass auch das kleinste SUV von Mercedes durchaus offroad-tauglich ist. Seine vergrößerte Bodenfreiheit, die  Bergabfahrhilfe und das Offroad-Fahrprogramm verleihen dem GLA ordentliche Kraxler-Eigenschaften. Mit einem gemischten Normverbrauch von 4,9 Liter auf 100 Kilometer verbraucht er nur rund einen halben Liter Diesel mehr auf 100 Kilometer, als sein 2-Rad-getriebener Kollege.