Der Mini wächst

Die 3. Auflage des Frauentraums bekommt bequemere Maße sowie neue Motoren, um genau das zu bleiben was sie war. Von Frauen aufgrund des optischen Understatements begehrt und von Männern nicht zuletzt für das Go-Kart-Feeling geschätzt. Will man ein seit seiner Wiedergeburt im Jahr 2001 2,5 Millionen-fach verkauftes Erfolgsmodell verbessern, ist das ein schwieriges Unterfangen. Zu kleine Veränderungen bleiben oft unbemerkt, wecken kaum Begehrlichkeiten. Zu starke Änderungen verleugnen den Verwandtschaftsgrad und verprellen die bisherige Käuferschicht. Also eine Boarderline-Fahrt auf dünnem Eis.

Den Münchner Mini-Machern von BMW ist dieser Spagat gut geglückt. Das Ergebnis heißt intern Mini Cooper „F56“ und ist ab Mitte März bei den Mini-Händlern zu bekommen. Der in Oxford produzierte Bayer mit englischen Wurzeln wird fortan mit drei neuen Twin-Power-Turbo-Motoren verfügbar sein. Damit befindet sich die deutlichste Änderung unter der Haube. Denn erstmals in der Mini-Geschichte wird es ihn mit Drei-Zylinder-Motoren geben. Den Mini One Benziner mit 1,2 Liter Hubraum und 102 PS (75 kW) und den Mini Cooper Benziner mit dem 1,5-Liter-Benzin-Motor und 136 PS (100 kW). Der Mini D trägt einem 1,5-Liter-Turbo-Diesel unter der Haube, den es alternativ mit 95 PS (One) und 116 PS (Cooper) gibt. Er soll runde 3,5 Liter Kraftstoff (Norm-Mix-Wert) verbrauchen und sich trotzdem sportlich flott durch die Kurven jagen lassen. Manche mögen’s heiß, andere noch heißer. Und für genau für diejenigen ist die Topmotorisierung im Cooper S gedacht. Hier leistet ein Zwei-Liter-Vierzylinder, ebenfalls mit Turboaufladung, 192 PS (141 kW) und 280 Newtonmeter Drehmoment. Ein Motor der genüsslich vor sich hin brodelt und den Fahrer beim Kick-Down tief in den Sitz drückt. Alle Motoren können mit einem 6-Gang Schaltgetriebe oder (mit Ausnahme des Mini One D) mit einer stark verbesserten 6-Gang-Automatik kombiniert werden. Ein Doppelkupplungsgetriebe steht nicht zur Wahl.

Mini Heck

 Zwei neue 3-Zylinder-Motoren

Als wolle er es den gewachsenen Ansprüchen der frühen Käuferschicht gleich tun, ist der Mini in alle Richtungen gewachsen. Er ist 4,4 Zentimeter breiter, 9,8 Zentimeter länger und einen Zentimeter höher als sein direkter Vorgänger. Der Radstand des neuen Mini vergrößert sich um 2,8 Zentimeter. Das schafft zusammengenommen beispielsweise Platz für einen um beachtliche 51 auf 211 Liter gewachsenen Kofferraum. Der neue Mini ist damit fortan nicht mehr eigenständig. Er basiert, wie der BMW 1er, auf der UKL-Frontantriebs-Plattform von BMW. Das ist sicher kein Nachteil ist, denn das Fahrwerk ist nun noch besser abgestimmt. Mit ihm klebt der Neue förmlich auf der Straße. Doch kühle Maße und Fakten interessieren die meisten Mini-Kunden eher sekundär. Minis verkaufen sich über den emotionalen Faktor. Der erste Blick aufs Äußere lässt keine Zweifel daran, dass wir es weiterhin mit einem Mini zu tun haben. Die Mini Formen-Sprache wirkt vertraut. Kullernd runde Scheinwerfer, der hexagonale Kühlergrill, ein optisch abgesetztes Dach, reichlich Glas-Flächen und nahezu keine Überhänge. Das ist in Summe der Mini. Beim zweiten Blick erkennt man jedoch, dass er deutlich anders ist als bisher. Beim Betrachten der Front wird klar, dass sie etwas gewachsen ist und bulliger wirkt. Kühlergrill und Schürze besitzen eine höhere Zahl von Lufteinlässen und die neuen LED-Scheinwerfer wirken etwas größer und liegen höher. Ganz neu sind die Tagfahrleuchten. Insgesamt fällt die Linienführung des Mini nun stärker nach hinten ab, was an der Dachlinie am deutlichsten wird und eine dynamischeren Charakter erzeugt. Das neue Heck zieren fortan gewachsene, aufrecht stehende Rückleuchten mit optionalen Chromrahmen.

Mini Detail

Das Runde bleibt im Eckigen

Im eckigen Innenraum bestimmen weiterhin Runde Instrumente den hochwertigen und modernen Gesamteindruck. Mit neuen technischen Finessen will man die Generation Smartphone beglücken. Und tatsächlich findet man in kaum einem anderen Kleinwagen eine solche Menge an Technik und Assistenzsystemen. Der Mini kommuniziert smart mit den Iphones der Insassen. Auffälligste Änderung ist eine LED-Lichtorgel, welche in der Mittelkonsole endlich die überdimensional große Geschwindigkeitsanzeige ersetzt. Sie lässt den Innenraum je nach Einstellung, gekoppelt mit verschiedensten Funktionen, in unterschiedlichen Farben strahlen. Die Geschwindigkeitsanzeige ist sinnvoller Weise hinter das Lenkrad gewandert. Auch die Fensterheber sitzen nun endlich in den Türverkleidungen. Weiterhin ist erstmals ein Head-Up-Display gegen Mehrpreis zu haben. Zudem ein Einparkassistent und ein kamerabasierter Tempomat. Die Zahl von Individualisierungsmöglichkeiten hat beim Mini eine lange Tradition, die nach wie vor mit einem komplizierten Online-Konfigurator einhergeht.

Mini innen

Die zahlreichen Optionen können allerdings auch den Preis rapide ins nahezu Unermessliche jagen. Der Basis-Benziner (One) ist ab 17.400 Euro zu haben. Doch wie die Verkaufsstatistiken aus der Vergangenheit lehren, wird das Basis-Modell bei den Mini-Fans kaum im Vordergrund stehen. Der Go-Kart-ähnliche Fahrspaß in Verbindung mit dem zeitlos schönen und eigenständigen Design werden in Kombination mit technischen und optischen Individualisierungsmöglichkeiten weiterhin Freunde finden, die bereit sind, tief in die Tasche zu greifen. Der Mini wird wohl auch in seiner neuen Form in der Society angesagt bleiben. Egal ob in der Münchner Schickeria, auf der Hamburger Elb-Chaussee, St. Moritz oder in Hollywood Hills. Um der erwartete Nachfrage befriedigen zu können, eröffnet Mini im Sommer eine zusätzliche Produktionsstätte in den Niederlanden.

Wesentliche Daten:

  • Mini One D, Modell 2014
  •  Länge/ Breite/ Höhe: 3.821 / 1.727 / 1.414 mm
  • Gepäckraum: 211 Liter
  • Verbrauch, kombiniert: 3,4 -3,5 Liter auf 100 km
  • CO2: 89 – 92 g/ km
  • Leistung (PS/ KW): 95/ 70
  • Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 11 Sekunden
  • Höchstgeschwindigkeit: 190 km/ h
  • Zylinder: 3
  • Hubraum: 1.496 ccm

Preis, ab: 19.400 Euro